Das ABC der Hepatitis-Viren
Hepatitis A (HAV)
Hepatitis B (HBV)
Hepatitis C (HCV)
Hepatitis D (HDV)
Hepatitis E (HEV)
Derzeit sind fünf Hepatitis-Erreger bekannt: A, B, C, D, E. Der Buchstabe F wurde fälschlicherweise vergeben und zurückgezogen. Die Erreger rufen unterschiedlich schwere Leberentzündungen hervor, die spontan ausheilen oder chronische Verläufe nehmen können. In manchen Fällen versagt das infizierte Organ. Dann kann nur noch eine Transplantation helfen. Auch wenn es so klingt: Die Erreger sind nicht miteinander verwandt.
Eine Infektion mit dem Hepatitis A-Virus gilt als „Reisekrankheit“, weil das Virus meistens über verunreinigte Lebensmittel oder kontaminiertes Wasser in den Körper gelangt. Aber auch eine Schmierinfektion durch direkten Kontakt zwischen Menschen ist möglich, selten erfolgt eine Ansteckung über Blut oder Sperma.
Gegen Hepatitis A gibt es keine spezifische Therapie. Eine Infektion mit dem Virus, die sich in Fieber oder einer „Gelbsucht“ äußert, heilt meistens von alleine aus. Sie wird nie chronisch, kann in seltenen Fällen aber auch zu einem akuten Leberversagen führen. Eine wirkungsvolle Impfung schützt vor Hepatitis A. Sie ist besonders für Menschen zu empfehlen, die in Länder reisen, in denen Hepatitis A weit verbreitet ist, und für Berufsgruppen mit intensivem Kontakt zu anderen Personen, wie Erzieherinnen oder Krankenpfleger.
Das Hepatitis B-Virus ist hochgradig ansteckend. Es ist 100mal infektiöser als HIV und kann bis zu sieben Tage außerhalb des Körpers überleben. Die Ansteckung erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion unbemerkt und wird deshalb von den Betroffenen, aber auch von vielen Ärzten nicht bemerkt.
In 90 bis 95 Prozent der Fälle heilt die akute Infektion bei Erwachsenen von alleine aus. In 5 bis 10 Prozent der Fälle und sehr häufig bei Säuglingen und kleinen Kindern nimmt sie einen chronischen Verlauf. Wird die chronische Entzündung nicht behandelt, kann sie zu Leberzirrhose und zu Leberkrebs führen. Hepatitis B ist für 80 Prozent der Leberkrebs-Fälle weltweit verantwortlich. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts sind in Deutschland 400.000 bis 500.000 Menschen an einer chronischen Hepatitis B erkrankt. Das sind acht- bis zehnmal mehr als HIV-Infizierte/Aids-Kranke. Nur jeder Vierte weiß von seiner Erkrankung.
Die Behandlung der chronischen Hepatitis B hat sich in den letzten Jahren - auch dank der Arbeit der Deutschen Leberstiftung und des „Kompetenznetz Hepatitis“ - dramatisch verbessert. Mittlerweile kann fast jeder Patient behandelt werden, so dass eine Viruskontrolle erreicht wird.
Eine Impfung schützt vor Hepatitis B. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt sie seit 1992. Staaten wie Taiwan, die seit 1984 nationale Impfprogramme durchführen, verzeichnen deutliche Erfolge im Kampf gegen das Virus und seine Folgeerkrankungen. In Deutschland sind etwa 80 Prozent der Schulkinder geimpft, in der Gesamtbevölkerung ist die Rate wesentlich geringer.
Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt über Hepatitis B für Ärzte sowie für Betroffene und ihre Angehörigen an.
Im Gegensatz zu Hepatitis B wird das Hepatitis C-Virus fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Die Haupt-Infektionswege verlaufen über die Mitbenutzung von Injektionsnadeln und über Bluttransfusionen, Blutgerinnungsfaktoren, unsterilen Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermessern. Circa 2 % der Weltbevölkerung sind schätzungsweise mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) infiziert. Es gibt aber deutliche regionale Unterschiede. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als 5 Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Ein erheblicher Teil der geschätzten 500.000 bis 800.000 Virusträger in Deutschland hat sich vor 1990 mit dem Virus infiziert, weil erst zu diesem Zeitpunkt der Erreger entdeckt und Blutprodukte auf das Virus hin getestet wurden.
Der weitaus größte Teil der Infizierten verspürt während der akuten Infektionsphase keine Symptome. Deshalb nehmen die meisten Infizierten ihre Infektion nicht wahr. Die Verläufe nach einer Ansteckung sind sehr unterschiedlich: Bei einem kleinen Teil von rund 20 Prozent der Patienten heilt die Infektion spontan aus. Die übergroße Mehrheit entwickelt aber einen unterschiedlich schweren chronischen Verlauf: Bei ca. 15 bis 20 Prozent der betroffenen chronisch Kranken degeneriert die Leber zu einer Zirrhose, von ihnen bekommt wiederum ein Fünftel Leberkrebs.
Es gibt heute sehr gut wirkende Therapien gegen eine Hepatitis C-Virusinfektion. Innerhalb der ersten vier Monate nach Ansteckung ist die Heilungswahrscheinlichkeit am höchsten. Eine Therapie kann hier in 90 Prozent der Fälle eine Chronifizierung verhindern. Dank der Arbeit der Deutschen Leberstiftung und der Forschung des "Kompetenznetz Hepatitis" (Hep-Net) können heute die meisten Patienten mit einer chronischen Hepatitis C geheilt werden. Eine Impfung gibt es gegen Hepatitis C noch nicht.
Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt über Hepatitis C für Ärzte sowie für Betroffene und ihre Angehörigen an.
Mit dem Hepatitis D-Virus sind weltweit rund zehn Millionen Menschen infiziert. Die Häufigkeit schwankt beträchtlich. Weit verbreitet ist HDV unter anderem in Teilen Afrikas, Südamerikas, Asiens und Ost- und Südosteuropas. In Deutschland rechnet man mit ca. 30.000 - 50.000 Betroffenen.
Eine HDV-Infektion kommt nur zusammen mit einer HBV-Infektion vor, da das Hepatitis D-Virus das Hüllprotein des Hepatitis B-Virus für seine Vermehrung braucht. Hepatitis D wird über Blut, Blutprodukte, seltener durch Geschlechtsverkehr übertragen. Die chronische Hepatitis D ist die schwerwiegendste aller Virushepatitis-Erkrankungen. Die Entwicklung zur Leberzirrhose verläuft schnell. Das Kompetenznetz Hepatitis hat die weltweit bislang größte Studie zur Therapie der Hepatitis D durchgeführt. Immerhin können jetzt ca. 25 % der Patienten erfolgreich behandelt werden. Einen aktiven Schutz bietet die Impfung gegen Hepatitis B.
Hepatitis E ist die häufigste akute Hepatitis in einigen Ländern Asiens und Afrikas, zum Beispiel in Indien und im Sudan. Die Übertragung erfolgt über kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Wasser. Während der Regenzeiten kann sich Hepatitis E in den betroffenen Ländern deshalb zu einer Epidemie entwickeln. In Deutschland kommt Hepatitis E nur vereinzelt vor, meist als Folge einer importierten Erkrankung.
Eine Infektion mit dem Hepatitis E-Virus ist klinisch nicht von einer Infektion mit dem Hepatitis A-Virus zu unterscheiden. Sie verläuft häufig jedoch schwerer. Eine große Gefahr stellt das Hepatitis E-Virus für Schwangere dar. Ein Fünftel bis ein Viertel der infizierten Schwangeren stirbt an der Infektion.
Hepatitis E wird in der Regel nicht chronisch. Ausnahmenfälle können Patienten mit Immunsuppression nach einer Organtransplantation bilden. Bei ihnen wurden schon chronische Fälle beschrieben. Eine Impfung befindet sich in der klinischen Testphase.

