Hepatitis B-Virus (HBV) / Hepatitis B
Das Hepatitis B-Virus (HBV) wird parenteral durch Körperflüssigkeiten übertragen. Neben den Hauptüberträgern Blut und Sperma können auch Scheidensekret, Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin und Stuhl das Virus enthalten. In Deutschland und anderen Industrieländern wird Hepatitis B in den meisten Fällen durch ungeschützten heterosexuellen oder homosexuellen Geschlechtsverkehr übertragen. Die Hepatitis B zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD).
Neben ungeschütztem Sex zählen Tätowierungen oder Piercings, die unter nicht sterilen Bedingungen durchgeführt werden, zu den häufigsten Übertragungswegen. Auch bei Kontakten mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen wie beim Barbier, bei der Fußpflege oder bei unvorhergesehenen ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen besteht ein Infektionsrisiko, wenn unhygienische Bedingungen herrschen. Eine mit dem HBV infizierte schwangere Frau kann bei der Geburt ihr Kind anstecken – das nennt man perinatale Infektion.
Blut mit einem hohen Anteil an Hepatitis B-Viren ist so ansteckend, dass schon eine geringe Menge, die mit den Augen nicht erkennbar ist, für eine Infektion ausreichend sein kann. Das HBV kann bis zu sieben Tage außerhalb des Körpers überleben. Eine Infektion mit dem HBV zeigt meist wenig Symptome. Eine akute HBV-Infektion heilt klinisch bei Erwachsenen in 95 Prozent der Fälle spontan aus, das heißt, es entwickeln sich Antikörper. In fünf bis zehn Prozent der Fälle und sehr häufig bei Säuglingen und kleinen Kindern nimmt sie einen chronischen Verlauf. Wird die chronische Entzündung nicht behandelt, kann sie zu Leberzirrhose und zu Leberzellkrebs führen. Hepatitis B ist für etwa 50 bis 60 Prozent der Leberzellkrebs-Fälle weltweit verantwortlich.
Weltweit gibt es circa 248 Millionen Träger des HBV – in Deutschland circa 200.000 bis 500.000. Jährlich werden mehrere Tausend Neuinfektionen gemeldet. Als Therapie gegen Hepatitis B werden wirksame Medikamente und Interferone verordnet. Die Behandlungsmöglichkeiten der chronischen Hepatitis B haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Mittlerweile kann fast jeder Patient behandelt werden, sodass eine Viruskontrolle erreicht wird. Diese Therapie-Erfolge basieren auch auf dem jahrelangen Engagement der Deutschen Leberstiftung und des „Kompetenznetz Hepatitis“ (HepNet) im Kampf gegen Lebererkrankungen. Einen vielversprechenden neuen Therapieansatz haben Forscher des Helmholtz Zentrums München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU), der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entwickelt. Sie stellten fest, dass eine Unterdrückung der Virusproteine, die das Hepatitis B-Virus in der Leber bildet, eine erfolgreiche therapeutische Impfung ermöglicht und die Ausheilung chronischer Hepatitis B-Virusinfektionen ermöglichen könnte. Ab 2022 soll die neuartige Impfung im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojektes TherVacB in klinischen Studien erprobt werden (www.thervacb.eu/de/).
Eine Impfung mit dem seit 1982 zugelassenen Impfstoff schützt vor Hepatitis B. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sie seit 1992. Eine Impfung gegen Hepatitis B schützt auch vor Hepatitis D (HDV), da diese Erkrankung nur mit einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann. Ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A (HAV) und Hepatitis B gewährleistet einen langfristigen Schutz vor beiden Lebererkrankungen. Seit Dezember 2019 müssen die Kosten für eine Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B bei Arbeitnehmern oder auch Auszubildenden von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wenn sie beruflich bedingt eine Reise antreten und diese Schutzimpfungen für das Zielland angezeigt sind. Weitere Details zu aktuellen Hepatitis-Impfempfehlungen für spezielle Personenkreise sind bei der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) aufgeführt: www.rki.de.
Im Rahmen des Präventionsprogramms „Gesundheitsuntersuchung“ für gesetzlich Versicherte, bis März 2019 als „Check-up 35“ bezeichnet, besteht ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre ein Anspruch auf eine Vorsorge-Untersuchung. Im Februar 2021 trat der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in Kraft, der als neuen Bestandteil der „Gesundheitsuntersuchung“ einmalig den Test auf die Viruserkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C umfasst. Damit sollen bislang unentdeckte Infektionen mit den Hepatitis-Viren B (HBV) und C (HCV) erkannt werden. Ärzte und Krankenkassen verhandeln noch über die Höhe der Vergütung, um Abrechnungsziffern festzulegen. Anspruchsberechtige können den neu eingeführten Test auf Hepatitis B und C separat nachholen, falls ihr Termin für die „Gesundheitsuntersuchung“ zeitlich vor der Festlegung der Abrechnungsziffern liegen sollte.
Die Deutsche Leberstiftung bietet ein Informationsfaltblatt über Hepatitis B für Ärzte sowie eine Ausgabe für Betroffene und ihre Angehörigen an.
Aktuelle Presseinformationen der Deutschen Leberstiftung zum Thema Hepatitis B finden Sie hier:
„Hepatitis kann nicht warten!“: Deutsche Leberstiftung unterstützt Welt-Hepatitis-Tag (21.07.2022)
Endlich wieder reisen – Deutsche Leberstiftung empfiehlt Impfschutz auch für die Leber (11. Juli 2022)
Deutsche Leberstiftung begrüßt Screening auf Hepatitis B und C in der Gesundheitsuntersuchung (18.08.2021)